20. Mai 2026|2 Minutes

Wenn Scham schneller ist als die eigene Stimme.

Viele Führungskräfte verlieren ihre Präsenz nicht aus Unsicherheit – sondern in Momenten, in denen alte Schutzmuster den Körper übernehmen.

„Ich hätte längst etwas sagen müssen.“

Sie sitzt mir gegenüber.
Top-Führungskraft. Intelligent. Strategisch. Erfolgreich.
Eine Frau, die große Räume führt – und in entscheidenden Momenten ihre eigene Stimme verliert.

Nicht weil ihr Kompetenz fehlt.
Nicht weil sie Situationen falsch einschätzt.
Sondern weil etwas schneller ist.
Scham.
Nicht die laute Scham. Die leise.
Die Scham, zu viel zu sein.
Zu direkt.
Zu emotional.
Zu sichtbar.

Wie viel Raum nehmen wir uns eigentlich?

Nicht metaphorisch. Wirklich physisch.

Wie laut sprechen wir?
Wie viel Platz nehmen wir uns?
Wie lange reden wir, bevor wir uns entschuldigen?

In der Embodimentforschung spricht man vom peripersonalen Raum: der unsichtbaren Zone um unseren Körper, die wir unbewusst ausdehnen oder einziehen.

Viele Menschen lernen früh, sich kleiner zu machen.
Sich anzupassen.
Nicht zu stören.
Nicht zu viel zu sein.
Der Körper lernt mit.
Er erinnert sich daran, wie viel Raum erlaubt war.
Und unter Druck organisiert sich genau diese alte Erfahrung erneut.
Nicht, weil Menschen zu sensibel sind.
Sondern weil der Körper soziale Wirklichkeit mitlernt.

Scham ist oft nicht die eigentliche Emotion

Was mich im Female Leadership seit Jahren beschäftigt:
Scham ist selten die primäre Emotion.
Sie ist häufig eine sekundäre Schutzreaktion.

Darunter liegen oft ganz andere Gefühle:
Ärger.
Enttäuschung.
Eine verletzte Grenze.
Der Wunsch, gehört zu werden.

Doch statt in Kontakt mit diesen Emotionen zu kommen, geschieht etwas anderes:
Zusammenziehen.
Kontrollieren.
Vernünftig werden.
Funktionieren.
Hochfunktional.
Und innerlich immer kleiner.

Der eigentliche Wendepunkt

Veränderung entsteht selten durch mehr Wissen.
Sondern in einem Hotspot: einem emotional verdichteten Moment, in dem der Körper nicht nur versteht, sondern erlebt:
„Ich darf sichtbar bleiben, ohne mich zu verlieren.“
Vielleicht beginnt genau dort Führungspräsenz.
Nicht im perfekten Funktionieren.
Sondern in dem Moment, in dem Scham aufhört, das letzte Wort zu haben.

Wann hört Scham auf, schneller zu sein als die eigene Stimme?
Mehr zu Embodiment, emotionaler Selbstregulation und Führungspräsenz finden Sie in meinen Angeboten.

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